Jetzt sind wieder 2 Wochen vergangen. Die Zeit legt den Turbo ein.

Vor ein paar Wochen sah noch alles ganz ungewiss aus. Nichts konnte man richtig machen weil noch kein Visum im Pass war. Jetzt wo alles für die nächsten 2 Jahre abgesichert ist stürzen wir uns in einen neuen Dschungel. Ein Haus zum wohnen muss her, Versicherungen wollenabgeschlossen werden, ich muss mir bald einen neuen Job suchen und vor allem muss man alles nochmal kaufen. Von der Gabel bis zum Fernseher. Wobei ich ja zugeben muss das das shoppen an sich das kleinste Problem ist. Die lokalen Bettpreise haben unsere Ohren rot werden lassen. Guter Schlaf kostet! Natürlich kommen die Hälfte der Häuser nicht in Frage weil keiner Haustiere haben will – das Claus raucht verschweigen wir einfach von Anfang an. Hier eine Mietwohnung oder Haus zu finden ist ganz schön schwer. Man muss sich manchmal mit gut und gerne 30 anderen Bewerbern ein 1-2 Zimmer Haus anschauen. Gerne denke ich da an die Zeit zurück wo ich von meiner lieben Susi einfach die Wohnung übernommen habe. Ohne hin und her und bangen ob Sie jemand anders bekommt. Aber das wird schon alles. Wir finden schon was schönes für uns und Kitty. In ein paar Monaten denken wir sicher an diesen Sommer zurück und haben schon wieder ganz andere Sorgen und Hürden zu bewältigen. Aber: Der Weg ist das Ziel und alles was wir jetzt machen und schaffen können wir auf unserer Liste abhaken. Schweineteueres Bett gekauft – ja haben wir gemacht. Dafür dann alles andere beim Second Hand gekauft – ja haben wir.

Und ich muss sagen, all die Alltagsproblemchen, die wir jetzt so haben sind ein Genuss wenn ich an die Zeit des Visa Antrags zurückdenke. Ich wünschte ich könnte ein Hörbuch draus machen…. weil ich habe das Gefühl, dass dieser Post nicht gerade kurz wird.

Als wir im Oktober daserste mal zur Immigration gefahren sind (damals noch mit Barney falls sich jemand da noch dran erinnern kann). Auf dem Amt sagte man uns das die 6 Monate die wir noch als Visum haben locker reichen für das Visum das wir uns rausgesucht haben. Im Nachhinein haben wir gelernt: Vertraue niemals jemandem der am Front Desk arbeitet. Es gibt einen Grund warum diese Leute keinen eigenen Tisch haben. Also haben wir frohen Mutes den ganzen Stapel Papierzeug mit genommen. Dann haben wir das brav alles ausgefüllt. Es sollte ein Work Visa werden am besten mit Option auf Resideny. Gibt es – heisst Work to Residency. Das gibt es unter verschiedenen Strängen (wenn man bei einer grossen Firma arbeitet, einen gesuchten Beruf hat oder Sportler/Künstler ist). Auf den ersten Blick muss Claus natürlich bei den gesuchten Berufen dabei sein. Schnell schnell auf die Liste geschaut. Hm. Da steht nicht ganz das was er ist drauf… aber etwas ähnliches. Das wird schon passen. Als mir dann doch mulmig wird rufe ich an bei der Immigration… und erhalte die Auskunft: Ja warte… das geht doch garnicht. Wenn Carpenter nicht auf der Liste steht dann wird das abgewiesen. Ihr müsst euch auf Skilled Migrant bewerben. Das ist ein Visaverfahren mit Punktesystem – wer mehr als 100 Punkte hat wird in einen Auslosungspool aufgenommen, wer 140+ Punkte hat wird gleich weiterbearbeitet.

Okay, dann machen wir das. Das ist ein Visum das ohne Umwege zur resideny führt. Haken daran ist, das es um ein vieles umfangreicher ist. Sie wollen alles von dir wissen. Es hat nur noch die Frage gefehlt wie oft und wann man duscht und welches Shampoo man benutzt. SO genau nehmen die das. Jedes Dokument muss man aus seinen Ordnern ziehen und ja… alle unsere Verwandten stehen jetzt auf irgendeinem Blatt in irgendeinem Ordner in Neuseeland. Big Brother is watching you – and thinking about asking for your Credit Card Number.

Die 140+ Punkte um gleich in den Bearbeitungsprozess aufgenommen zu werden (mit weniger Punkten wird alle 2 Wochen ausgelost – wer sagt Neuseeländer können keinen Spass haben) waren für uns schnell zusammen. 155 Punkte hat Claus beigetragen mit Alter, Job und Arbeitserfahrung. Da ich nicht ohne Beitrag da stehen wollte habe ich noch schnell meinen Werbekauffrau Abschluss aus dem Ärmel gezogen. Nicht das wir es gebraucht hätten, aber so war ich wenigstens nicht ganz Trittbrettfahrer.

Dann hiess es ALLE Dokumente zu beschaffen. Geburtsurkunden, Zeugnisse, Polizeiliche Führungszeugnisse aus Island und Deutschland, Heiratsurkunde, Arbeitszeugnisse. Mancher Arbeitgeber hat sogar die Teenager der Familie aktiviert und sie vermutlich dazu gezwungen eine Email auf Englisch zu schreiben. Danke dafür. Hat uns effektiv 50$ beim Übersetzungsbüro gespart! Und dann natürlich noch alles übersetzen lassen. Die grösste Herausforderung war jedoch: Das Beweisen der Tatsache das Claus und ich glücklich verheiratet sind. Wie macht man das? Laut NZ Immigration so:

  1. Fotos von uns in allen möglichen Lebenslagen – am besten mit Freunden und Familie (wer jetzt an Green Card mit Gerard Depardieu denkt… Ihr wart nicht die Einzigen!),
  2. Briefe von Freunden und Famile, die bezeugen, das wir glücklich sind und wir wirklich ein Paar sind (Danke Mia und Susi)
  3. Post, die an uns beide adressiert ist. Am besten über einen gewissen Zeitraum verteilt. Ich mag mir den Gesichtsausdruck meiner Mutter nicht vorstellen als ich verzweifelt daheim angerufen habe und gefragt habe ob sie noch Post von mir und Claus von vor 2 Jahren hat.
  4. Einen Zeitstrahl der wichtige Punkte der Beziehung markiert,
  5. Belege für gemeinsame Konten und Versicherungen,
  6. achja… und die Heiratsurkunde.

So, alle Dokumente da… trotz Sabotage von deutschen Konsulen, die nur Urlaub machen. Alles ausgefüllt. Ich gebe mein Baby Anfang Januar ab. Ich habe den Umschlag nicht gewogen aber er war ziemlich sicher 2.700$ schwer.

Die Zeit vergeht. Ich bekomme eine Mail. Ein australisches Führungszeugniss von mir würde fehlen. Hier hat keiner mit meiner deutschen Genauigkeit gerechnet. Führungszeugnisse müssen nur aus Ländern vorgelegt werden in denen man die letzten 10 Jahre länger als 12 Monate gelebt hat. Anfang 2002 habe ich Australien verlassen. Nach meiner Rechnug sind das mehr wie 10 Jahre. Knapp ja, aber definitiv mehr. Am selben Tag wird das Visum zur Bearbeitung durchgeschubst. Dann bekommen wir einige Zeit später einen Brief wo alles nochmal bestätigt wird. Hier wird nebenbei erwähnt das das Visum bis zu 9 Monate in Bearbeitung ist. Unser Work and Travel Visa läuftallerdings Mitte März ab. Was tun? Eine leicht panische Conny ruft Call Center agent xy bei der Immigration Hotline an. Der arme Mann hört wohl meine pulsierende Schlagader und rät uns das “normale” Work Visa zu beantragen.

Achso, das das ich im Oktober schon mal mit heimgenommen hatte und mir dann gesagt wurde das wir das nicht beantragen können?

Mein Auge fängt an nervös zu zucken. Also gut. Dann schwupp di wupp die Anträge ausgedruckt. Das sind dann 2 separate Anträge. Für jeden von uns ein Visum. Pro Nase 270$. Es ist ja nicht so das wir was mit dem Geld vorhatten.

Glücklicherweise hatte ich alle Dokumente schon, da ich ja im Oktober alles zusammengesammelt hatte. Das extra Formular, das von Claus Arbeitgeber ausgefüllt werden muss habe ich durch ein biblisches Wunder aufgehoben. Also einen Tag später zur Immigration gedüst und alles abgegeben. Jetzt ist es Anfang Februar. Durchschnittliche Bearbeitungszeit 25 Tage.

Und dann fingen die längsten 20 Tage an die ich jemals durchlebt hatte. Immer mit dem 19. März im Blick. Kurz vor Ende Februar wurde uns beiden das 2 Jahres Work Visa bestätigt. Das Skilled Migrant Visa bleibt natürlich weiter in Bearbeitung und mit etwas Glück haben wir noch Ende des Jahres eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Am Ende ging alles gut aus. Und jetzt sind wir hier. Es ist unglaublich. Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben. Unser Leben ist einfach herrlich. Wer weiss wo wir in 10 Jahren sind – aber jetzt können wir beide sagen: Da, DAS haben wir gemacht!

xo

Conny und Claus

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